Pressespiegel
Fachausschuss Freie Journalisten - 28.06.2005
Bericht vom Treffen des Fachausschuss
Wege zum Drehbuch -
Werkstattbericht
120 Seiten Drehbuch sind fertig - auf zum "Tatort", der hohen TV-Schule? Oder gleich nach Hollywood? Die Referentinnen Sandra Voss, TV-Journalistin und Autorin, und Susanne Stangl, Drehbuchautorin, zeigten Wege zu Fernsehen und Kino-Film.
Ein Drehbuch lässt sich nicht einfach aus der Lamäng schütteln, denn Drehbücher folgen ganz eigenen formalen Regeln. Sandra Voss hat neun Monate lang einen Kurs an der Drehbuchschule Berlin besucht und betont, dass Interessenten bei der Wahl eines Kurses auf einen umfangreichen Praxisteil neben der Theorie achten sollten. Denn anders als ein Roman entsteht ein Drehbuch nicht nur einsam am Schreibtisch, sondern wird verbessert durch stetige Diskussionen. "Wer nur für sich arbeiten mag und keinen Spaß am Feedback hat, sollte überlegen, ob Drehbuchschreiben das Richtige ist", sagte Susanne Stangl. Es sei nicht ungewöhnlich, dass ein Drehbuch sieben-, achtmal überarbeitet wird, weil Redakteure und Produzenten eigene Ideen einbringen.
Kurzanleitung zum erfolgreichen Drehbuch: Am Anfang steht eine Idee. Daraus zimmere man ein 3- bis 5-seitiges Exposé und schicke es an eine Produktionsfirma, wer einen Kinofilm im Sinn hat, kann sich direkt an die Filmförderung eines Bundeslandes wenden. Besteht Interesse, ist der nächste Schritt ein Treatment, eine 10- bis 15-seitige Erzählung ohne Dialoge, im Stil filmisch, präzise und bildhaft. Letzte Schritte: das Drehbuch. Eine Seite Drehbuch ergibt eine Minute Film, lautet ein Erfahrungswert. Es gibt Software, die die Formalia eines Drehbuchs unterstützt, zum Beispiel "Final Draft". Nicht allein das Schreiben und Umschreiben ist ein länger währender Prozess. Es gilt als flott, wenn zwischen Exposé und dem Film auf der Leinwand oder im Fernsehen zwei Jahre liegen. Ernüchternder Erfahrungswert: Von zehn geförderten Drehbüchern wird lediglich eins realisiert.
Die Referentinnen empfehlen, an Wettbewerben teilzunehmen, etwa an der Sat.1 Talent Class. Ein guter Einstieg ist es, als Story-Liner bei einer Daily Soap zu arbeiten, das gilt als gute handwerkliche und ordentlich bezahlte Schule. Als Quereinsteiger direkt zum "Tatort" zu gelangen ist kaum möglich. Was allerdings nicht entmutigend klingen sollte, - eine Idee wie "Die Mauer fällt, der Sohn erzählt es der Mutter nicht" ist einzigartig und wird ihr Publikum finden.
Sonja Beckmann
Literatur und Links:
Julian Friedman: Unternehmen Drehbuch. Bastei-Lübbe 2001
Christopher Keane: Schritt für Schritt zum erfolgreichen Drehbuch. Autorenhaus 2002
Robert McKee: Story. Die Prinzipien des Drehbuchschreibens. Alexander Verlag 2000
Drehbuchschule Berlin: www.drehbuchschule-berlin.de
Sat.1 Talent Class: www.sat1talents.de
Von Sonja Beckmann