Pressespiegel
Die Berliner Literaturkritik - 18.11.2007
Liaison der Künste
Szenische Lesung zur Neueröffnung der Drehbuchschule Pfeiffer
BERLIN (BLK) – Die Drehbuchschule Wolfgang Pfeiffer erweitert sich. Geografisch hat sie es schon geschafft, inhaltlich bleibt noch einiges in Arbeit. Der Auftakt am vergangenen Samstag (17. November 2007) lässt zu hoffen übrig: Zur Neueröffnung am Helmholtzplatz gab es ein selbst gemachtes Picknick. Thematischer Einstieg war eine szenische Lesung verschiedener Mini-Dramen.
Der Raum hinter den riesigen Fensterscheiben muss einladend gewirkt haben: Warmes Licht, Grüppchen von Menschen, ein kleines Büffet wie bei einem Picknick mit Freunden, wo es selbstgebackenen Kuchen und Kekse von Papptellern, Kaffee, Wein und Alkoholfreies aus Plastikbechern gibt. Es muss eine gewisse Gemütlichkeit in den tristen, zur nächtlichen Dunkelheit neigenden Novembersamstag ausgestrahlt haben, denn es kamen viele Leute. Viele Leute heißt hier, die neuen, größeren Räumlichkeiten der Drehbuchschule Wolfgang Pfeiffer waren gut gefüllt.
Von der Kollwitzstraße ist die private Schreibschule nun in die Dunckerstraße 13 am Helmholtzplatz umgezogen. Die räumliche Vergrößerung soll nicht nur mehr Schülern Platz bieten, sondern geht auch mit einer thematischen Erweiterung einher. „Herr Pfeiffer, der ja ursprünglich aus dem Film- und Fernsehbereich kommt, will nun auch Theaterdrehbuchkurse anbieten“, erzählt Sylvia Marquardt. „Es sollen mehr Dozenten für ein breiteres Angebot an Kursen engagiert werden.“ Sie selbst ist Dramaturgin am Gorki Theater und hat den ersten Schreibkurs für Mini-Dramen gegeben.
„Wir haben uns an einem Wochenende von Freitag bis Sonntag zusammengesetzt, um Theaterstücke und ihre Dramaturgie zu analysieren, sowie mögliche Themen, interessante Alltagsgeschichten zu sammeln. Dann war jeder Teilnehmer vier Wochen auf sich allein gestellt, um an seinem Text arbeiten zu können. Danach wurden die Einakter innerhalb der Gruppe vorgestellt.“ Große Veränderungen habe sie an den Endfassungen nicht vorgenommen. Auf Sylvia Marquardts Schreibtisch liegen nun zwölf Drehbücher für Mini-Dramen, die das „überraschend positive Ergebnis des Seminars“ darstellen. „Meine Erwartungen wurden übertroffen“, strahlt die kleine rothaarige Frau mit dem typischen Theaterflair.
Die inhaltliche Erweiterung der Ausbildung zum Drehbuchautor ist teilweise schon Programm. Zu Einführungs- und Intensivkurs, das Angebot der letzten Jahre, haben sich Workshops in den Bereichen Kurzfilm, Krimi, Szene und Dialog sowie Theater gesellt. Die Liaison von Literatur und Film- wie auch Theaterkunst wird hier als Handwerk vermittelt. Bevor sich ein geschriebenes Stück, ob Krimi oder Komik, in seinem neuen Medium, Film oder Theater, neu entwickeln kann, wird gern auf die herkömmliche Vermittlung der Geschichte zurückgegriffen: das Vorlesen.
So fand auch am Samstag eine szenische Lesung von fünf Einaktern aus dem ersten Theaterschreibkurs der Drehbuchschule statt. „Kulturtheater“ von Anke Glasmacher, „Rita Ro(h)goschs Rundfahrt“ von Eckard Büttner, „Alice hinter den Spiegeln oder die Deutsche Bank in Sachen Kunst“ von Mechthild Heckmann wurden in einer zweistündigen Sitzung gelesen.
Nach einer Pause waren „Die Therapie“ von Gaby Grier und „Trockenübung“ von Norbert Skowronek angekündigt. Wer vom zahlreich erschienenen Publikum in dem kleinen, zweiten Seminarraum einen der Klappstühle ergattern konnte, rutschte spätestens nach zwei Stücken unruhig auf den einschlafenden Pobacken hin und her. Nur „Rita Ro(h)goschs Rundfahrt“ konnte da mit einigen akzentuiert gesetzten Witzen aus der Anspannung lösen. Vor allem Berlin-vertrautes Publikum, das der inhaltlichen und über Fotos via Beamer präsentierten Stadtrundfahrt durch die Hauptstadt folgen konnte, lachte häufig.
Die ideale Besetzung für die Leitung der Stadtrundfahrt wurde durch Ursula Werner vom Gorki Theater gesichert: Ihre sprachliche Gestaltung mit frecher Berliner Schnauze, Humor und Charme war in der permanent flirtenden, über Persönliches plaudernden und die vermeintliche Kulturstadt als reine Fassade enttarnenden Figur der Rita angelegt und anschaulich ausgearbeitet. Wie schon in „Kulturtheater“ das tatsächliche Publikum ein Talkshow-Publikum spielen und applaudieren sollte, entwickelte sich die Lesung auch beim zweiten Einakter für das Publikum als Reisegruppe und für so manchen Mitfahrer in der zweiten Reihe (der permanent von Rita angeflirtet wurde) zum Mitmachtheater.
Die Einweihungsfeier, welche weiterhin mit Kurzfilmen und einer 80er Jahre Videoshow von DJ Alf On R als Abschluss angekündigt wurde, war eine gelungene Demonstration der neuen, größeren Räumlichkeiten für künftig erweiterte Kurse in Sachen Drehbuchschreiben. Die Lesung stellte eine Demonstration der Arbeit, die hier geleistet wird, dar, wenn auch nicht jedes der gelesenen Stücke als gelungen bezeichnet werden kann. Einen „eye-„ aber auch „earcatcher“ stellten in jedem Fall die engagierten Theaterschauspieler Thomas Schmidt vom Deutschen Theater sowie Ursula Werner und Hanna Eichel vom Gorki Theater dar. Welcher Kurs künftig von welchem Dozenten besetzt werden soll, konnte Frau Marquardt noch nicht sagen. Es solle eine Vielfalt geben in der neuen Drehbuchschule. Doch auch hier heißt es noch „work in process“.
In der privaten Schreibschule kann sich jeder zum Drehbuchautor aus- oder weiterbilden lassen. In den verschiedenen Kursen sollen marktfähige „First Draft Scripte“ entwickelt werden, die in einer praxisorientierten, persönlichen Einzelcoachsituation erarbeitet werden sollen. Doch Kunst bleibt Kunst und obgleich diese Schule im Gegensatz zu den meisten universitären Ausbildungen im Creative Writing-Bereich eine Managementhilfe bei der späteren Drehbuchvermarktung anbietet, ist nicht gewährleistet, dass der ausgeformte Stoff auch Umsetzung findet.
Die zwölf Mini-Dramen beispielsweise seien zwar bemerkenswert, doch ob ein Theaterverlag daran Interesse findet, könne man nicht sagen, so Marquardt. Wer dennoch Interesse hat, den Kampf gegen die Windmühlen des Trash-TV aufzunehmen, wer dennoch starken Willens ist, (s)eine Literatur in ein Fernseh- oder Theaterformat zu bringen, und meint, dabei noch Unterstützung im Schreibprozess zu brauchen, informiere sich unter www.drehbuchschule-berlin.de über Angebot und Preise.
Von Jacqueline Moschkau